Baristabot's Blog

Kaffee. Leute. Meckerei.

Die Sache mit dem Trinkgeld. Juli 29, 2010

Einsortiert unter: Uncategorized — baristabot @ 9:57 nachmittags

In den meisten Coffee Shops gibt es sie: Die Trinkgeldkasse. Ich verstehe, wenn jemand in einem Laden mit Selbstbedienung kein Trinkgeld gibt. Wenn es jemand aber doch macht, freue ich mich sehr darüber. Was ich gar nicht mag, sind Leute, die an unser Trinkgeld gehen.

Ganz ehrlich: Es wird wohl kaum jemand einer Kellnerin in den Geldbeutel fassen und sagen, “Na da ist doch genug drin, nehmen sie’s doch da raus!” Und dann auch noch als einziger über den Witz lachen. Brüller, echt. Den Spruch habe ich natürlich auch noch nie gehört. Ganz toll auch diejenigen, die “aus Spaß” mal eben in die Kasse reinfassen. Irgendwann haue ich einfach mal jemandem auf die Finger, der das macht. Das ist nicht witzig.

Heute wurde bei mir im Laden mal wieder die Trinkgeldkasse geklaut, deshalb auch dieser Eintrag. Sowas kommt leider öfter vor. Man schaut einen Moment nicht hin, schon ist das Geld weg. Wir arbeiten wirklich hart für unser Geld und ich könnte in die Luft gehen vor Wut. Es muss offensichtlich ein Gast gewesen sein, alles andere hätte ich mitbekommen. Erst unser Geld klauen und dann von uns einen Kaffee machen lassen, das hat wirklich Stil und Klasse.  Hoffentlich hat diese Person sich wenigstens die Zunge verbrannt.

 

Ich bin kein Baristabot, ich bin ein Meeeensch!!! Juli 21, 2010

Einsortiert unter: Uncategorized — baristabot @ 5:29 nachmittags

Es ist Sommer. Es ist heiß, und auch unsere Klimaanlagen stoßen an ihre Grenzen. Ich finde es toll, wenn Gäste sich bei uns darüber beschweren, wie heiß es doch ist und fragen, ob wir nicht mal die Klimaanlage kälter stellen könne. Das ist ein Scherz, oder? Denkt wirklich irgendjemand, dass wir freiwillig in manchen Läden 40°C oder mehr haben? Dass wir die Klimaanlage einfach nicht anmachen? Kann sich wirklich jemand vorstellen, dass uns unter den Schürzen und Poloshirts, hinter den heißen Espressomaschinen und Öfen und bei der Rennerei den ganzen Tag kalt ist? Im Gegensatz zu unseren Gästen müssen wir den ganzen Tag im Laden bleiben. Wir freuen uns, dass die Gäste da sind, aber sie sind freiwillig da und wurden auch nicht an ihren Stühlen angekettet.

Darum geht es in diesem Eintrag aber gar nicht, es geht um eine andere Begleiterscheinung des Sommers: Eisgetränke! Ihr wisst schon, diese Kalorienbomben aus dem Mixer, Erdbeeren mit Sahne, Mocha, Caramel… Wir Baristas sind keine Fans von diesen Getränken, weil selbst das einfachste davon mindestens 5 Arbeitsschritte hat. Die Dinger sind aufwändig und die Maschine ist laut.

Aber gut, auch wir trinken diese Dinger ab und zu und verstehen, warum sie so ein Verkaufsschlager sind. Sie sind halt verdammt lecker und an einem heißen Tag erfrischend. Hart wird es immer dann, wenn der Laden voll ist und 10 Gäste hintereinander 10 verschiedene Getränke dieser Art bestellen. Damit wären wir wieder bei den mindestens 5 Arbeitsschritten, der lauten Maschine, die auch eine Weile braucht, und dann muss das Ganze ja auch noch verziert werden… Es kann also schon mal sein, dass man auf seinen eisgekühlten Genuss eine Weile warten muss. Nicht, weil wir faul sind, oder langsam, oder neu, oder weil wir quatschen, oder was einem sonst so immer mal wieder vorgeworfen wird, weil jemand sein Getränk nicht innerhalb von einer Minute hat.

Das mag schockierend sein, aber hier ist der Grund, warum unsere lieben Gäste manchmal etwas länger warten müssen: Wir Baristabots sind auch nur Menschen. Wir haben auch nur 2 Hände und können nicht unbegrenzt viele Dinge gleichzeitig machen. Wir können auch nicht durch Gedankenkraft den Mixer beschleunigen, oder den Espresso schneller laufen lassen. (Gut, Espresso schneller laufen lassen könnten wir schon, aber das will dann wirklich niemand trinken.) Wer es furchtbar eilig hat, muss halt einen schwarzen Kaffee bestellen. Wer ein arbeitsintensives Getränk bestellt oder wer sich anstellt, obwohl die Schlange schon sehr lang ist, muss auch mal einen Moment warten. Zaubern können wir Baristabots nämlich auch nicht. Und unnötige Diskussionen darüber, warum das jetzt alles so lange dauert, beschleunigen den Prozess auch nicht unbedingt…

 

Bestellung aufgeben für Dummies. Juli 18, 2010

Einsortiert unter: Uncategorized — baristabot @ 7:40 nachmittags
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Auch ich war einmal zum ersten Mal in einem dieser furchteinflössenden Coffee Shops. In Deutschland gab es erst ein paar Trittbrettfahrer, aber noch nicht das große, grüne Kaffeemonster. Ich war in den USA, dem Mutterland, wo anscheinend schon 3-jährige ihren To Go Decaf Venti Vanilla Non-fat No-foam Caffé Latte perfekt bestellen können. Ich stand an der Kasse und kam mir vor wie der Dorftrottel. Der sehr nette Barista lachte mich nicht aus, stand mir beratend zur Seite und ich konnte den Laden strahlend mit einem Vanilla Latte verlassen.

Es ist also völlig okay, sich nicht mit der Karte in einem Coffee Shop auszukennen. Da stehen wahnsinnig viele Getränke, von denen man noch nie etwas gehört hat, und selbst die Größen hören sich komisch an. Und nur mal so nebenbei: Wir wissen alle, dass tall groß heisst. Wirklich, wir wissen das. Wir haben den Witz schon ganz oft gehört. Sich darüber aufzuregen ist auch zwecklos, denn die Größen haben eben diese Namen. Wir haben uns das nicht ausgedacht. Wenn ein Gast groß sagt, denken wir groß, nicht tall, denn das ist klein. Leute, die dann anfangen, darüber zu diskutieren, sind meistens arrogante Wichtigtuer, die höchstwahrscheinlich auch noch Sojamilch bestellen. Aber ich schweife ab, und zu Sojamilch muss ich sowieso einen gesonderten Eintrag schreiben.

Zurück zum Thema: Fragen stellen ist absolut in Ordnung. Dafür sind wir da. Wir sind auch nicht genervt, wenn jemand den Unterschied zwischen Caffé Latte und Cappuccino nicht kennt. Den kannten die meisten von uns auch nicht, bevor wir die Schürze anlegten. Ich persönlich gebe meistens sogar noch ein Upgrade dazu, wenn jemand zum ersten Mal bei uns ist und sich nicht auskennt.

Absolut nicht in Ordnung sind Leute, die erwarten, dass wir ihre Getränke durch Telepathie erraten. Leute, die es nicht einmal schaffen, ihr Handy vom Ohr zu nehmen, während wir ihre Bestellung aufnehmen. Das ist unhöflich und respektlos. Trotzdem passiert es mehrfach am Tag. Wenn wir dann auch noch wagen, nach einer Größe für das uns per Zeichensprache mitgeteilte Getränk zu fragen, kommt meistens ein Augenrollen und eine Information für die Person am anderen Ende der Leitung. “Moment, ich muss hier mal schnell bestellen.” Du musst gar nichts, höchstens nochmal einen Benimmkurs besuchen. Du bist nicht wirklich so wichtig, dass du es nicht einmal schaffst, für 10 Sekunden das Handy vom Ohr zu nehmen, oder? Selbst Diane Kruger und Tom Hanks schaffen es, ohne Handy und mit einem freundlichen Lächeln im Gesicht zu bestellen. Ich spreche da aus Erfahrung.

Am Ende der Bestellung kommt die ganz schlimme Frage: “Vielleicht noch einen Muffin dazu? Oder wie wär’s mit einem extra Espresso?” Auch das mit der Fragerei haben wir uns nicht ausgedacht. Wir finden es auch blöd, diese Frage mehrere hundert Mal am Tag stellen zu müssen. Es reicht ein freundliches, “Nein, danke.” Man muss nicht ausfallend werden und darüber zetern, wie nervig und anstrengend das doch alles ist. Der Barista hält dich dann nur für einen Vollidioten, wird es allen Kollegen erzählen, und die werden dich auch alle für einen Vollidioten halten. Wenn du Stammgast bist heisst das im Klartext: Alle hassen dich und du bekommst nie wieder Freigetränke. Und wenn du morgens mal so gar nicht wach wirst, obwohl du doch schon einen Kaffee getrunken hast, hat da vielleicht jemand ganz aus Versehen entkoffeinierte Bohnen benutzt.

Gäste, die zum ersten Mal da sind und Fragen stellen, sind sehr charmant. Freundliche Gäste, denen man anmerkt, dass sie regelmäßig genau dieses Getränk bestellen, machen dem Barista das Leben leichter. Absolut unnötig sind die Gäste, die meinen, mit ihrem Coffee Shop-Wissen angeben zu müssen. Meistens haben diese Gäste einen aufgesetzten, amerikanischen Akzent und teilen dem Barista ungefragt mit, dass sie gerade furchtbar lange in den Staaten waren und da IMMER ihren Mochaccino getrunken haben. Das ist toll, aber leider gibt es beim großen, grünen Kaffeemonster keinen Mochaccino. Da gibt es nur Chocolate Mocha. Schon doof. Damit wären wir mal wieder beim Thema Vollidiot.

Wir zwingen niemanden, zu uns in den Laden zu kommen. Wer unsere Größen albern, die Namen unserer Getränke zu kompliziert und und unsere Preise zu hoch findet, muss seinen Kaffee nicht bei uns trinken. Die meisten meiner Kollegen sind furchtbar nette Menschen, die sehr nett zu unseren Gästen sind. Warum halten es so viele Leute für nötig, uns in der einen Minute, die es dauert, eine Bestellung aufzugeben, wie Abschaum zu behandeln?

 

Heisst Latte Maschattooo in ihrer Sprache Guten Tag? Juli 15, 2010

Einsortiert unter: Uncategorized — baristabot @ 6:28 nachmittags
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Es war lange überfällig, aber hier ist es nun: Ein Blog darüber, wie es ist, beim großen grünen Kaffeemonster zu arbeiten.

Ich bin ehrlich: Eigentlich liebe ich meinen Job. Ich bin wahrer Kaffeefanatiker. Koffeinjunkie deluxe. Ohne Kaffee habe ich schlechte Laune. Ich finde Kaffee spannend und kann mich stundenlang darüber unterhalten, woher Kaffee kommt, wie er geröstet wurde und was für ein Aroma er hat. Wenn ich eine kleine Kaffeerösterei betrete, in der gerade geröstet wird, stehe ich mit strahlenden Augen daneben, als wäre ich ein kleines Kind und der Kafferöster der Weihnachtsmann. Ich freue mich, wenn ich einen perfekten Cappuccino mache oder mir Latte Art gelingt. Da könnte ich in die Hände klatschen und giggeln wie ein Cheerleader, echt.

Eigentlich mag ich auch Menschen. In der Schule wurde mir immer gesagt, ich müsste unbedingt einen Job mit Menschen machen. Ich bin die Person, die überall von irgendwem an- und vollgequatscht wird. Ob U-Bahn, Bushaltestelle, oder die Pfandschlange im Supermarkt, früher oder später stecke ich in einer Unterhaltung mit einer mir wildfremden Person, die mir ihre Lebensgeschichte erzählt.

All das merkt man mir bei der Arbeit nicht unbedingt immer an. Ich gebe mir die größte Mühe, immer freundlich zu sein. Riesige Mühe sogar. Manchmal ist es mir aber einfach unmöglich.

Es fängt schon mit ganz einfachen Dingen an. Grüßen zum Beispiel. Macht man das nicht mehr, oder muss man nur uns nicht grüßen, weil wir doofe kleine Baristabots sind, mit denen man nicht weiter sprechen muss? Ich hasse es, wenn ich mit meinem strahlendsten Lächeln “Guten Tag!” flöte und als Antwort bekomme: “Latte Maschattooo!” Latte Maschattooo? Kenne ich nicht. Heisst das in ihrer Sprache Guten Tag? Fragen sie mich damit, ob ich ihre Sprache spreche? Oder wollen sie mir damit einfach nur sagen, dass die letzten Jahre des Latte Macchiato-Wahns an ihnen vorbeigegangen sind und sie immer noch nicht wissen, wie man das Ding ausspricht?

Servicewüste Deutschland, heisst es immer so schön. Aber wenn es dann Service gibt, können viele Deutsche damit auch nicht umgehen. Sie können nicht einmal grüßen! Wie oft wurde mir schon vorgeworfen, meine Fröhlichkeit wäre aufgesetzt oder übertrieben. Das ist sie aber nicht. Ich bin einfach von Natur aus ein freundlicher Mensch. Meine Mama hat mich ordentlich erzogen. Ich sage bitte und danke, ich halte Türen auf und ich grüße, wenn ich ein Geschäft betrete. Damit brichst du dir keinen Zacken aus der Krone, das habe ich meine ganze Kindheit über gehört. Ist das der Unterschied zwischen einer Kinderstube und einer Spielecke? Man weiß es nicht. Aber bitte, bitte denkt alle daran, wenn ihr das nächste Mal in irgendeinen Coffee Shop geht und ein Getränk bestellen wollt: Erst grüßen, dann das Getränk nennen. Dann freut sich der Barista, ihr bekommt euer Getränk definitiv schneller und vielleicht sogar etwas umsonst und ihr werdet definitiv nicht ausgelacht, weil ihr euer Getränk falsch ausgesprochen habt.

(Ausser beim Chai Tea Latte. Der heisst Chai, nicht Tai Chi.)

 

 
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